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Herr Jakob träumt von A.S. Dowidat

Herr Jakob träumt von A.S. Dowidat

Details:

Genre: Fantasy, Gesellschaftsromane, Humor
Format: gebundene Ausgabe, Taschenbuch, eBook
Seiten: 180
Verlag: Books on Demand
ISBN/ASIN: 978-3746015903

Inhalt:

»Sie sind also tot?«, fragte Herr Jakob.
»Jaja«, erwiderte Frau Wanke und drängte Herrn Jakob sanft, aber bestimmt zur Seite. Es hatte angefangen zu regnen und sie hatte keinen Schirm dabei, Herr Jakob mutmaßte, dass vielleicht auch Tote nicht nass werden wollten.
»Entschuldigung«, sagte er, »kommen Sie doch erst einmal herein.« Im Hausflur nahm er ihr den Mantel ab und hängte ihn an die Garderobe.

Über die Entdeckung des Winterschlafs und das Anhalten der Zeit

Hin und wieder gelingen Herrn Jakob kleine Fluchten aus seinem Leben als Bibliothekar und Berufspendler. Doch die zunehmenden Anforderungen des Alltags und eine als bedrohlich empfundene Hektik wecken in ihm eine immer stärkere Sehnsucht nach Ruhe.

Die Gespräche mit einem Huhn bringen ihn endgültig dazu, sich nicht länger gegen sein Bedürfnis zu wehren: Herr Jakob beschließt zu schlafen.

Traum und Wirklichkeit verschränken sich allmählich, und Herr Jakob muss sich fragen, ob seine Traumwelt weniger wahr ist als die sogenannte Realität.

Sind Wachen und Schlafen nur zwei Bewusstseinszustände oder vielmehr zwei Welten, deren Wege auf wundersame Weise miteinander verbunden sind?

Nachdem er das Glück des Winterschlafs entdeckt hat, fühlt Herr Jakob sich auch im Wachzustand zu neuen Wahrnehmungen befähigt. Dann trifft er auf eine Gleichgesinnte, die allerdings noch Probleme mit dem Durchhalten längerer Schlafperioden hat.

Die Geschichte von einem Menschen, der sich auf eine außergewöhnliche Reise begibt und dabei einen erstaunlichen Ort entdeckt.

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Leseprobe:

Als Pendler, der jeden Morgen mit dem Zug in eine benachbarte Universitätsstadt fuhr, war Herr Jakob gezwungen, sich einem strengen Schlaf-Wach-Rhythmus zu unterwerfen. Selten ging er abends nach zehn Uhr zu Bett, auch am Wochenende hielt er daran fest, früh aufzustehen. Manchmal vermutete er, dies könne einer tiefsitzenden Angst entspringen, ansonsten seine Disziplin zu verlieren und während der Woche nicht mehr rechtzeitig aus dem Bett zu kommen. Zwar war in seiner Abteilung bereits vor einigen Jahren gleitende Arbeitszeit eingeführt worden, doch sah er keinen Anlass, seine Gewohnheiten zu ändern und später als üblich zum Dienst zu erscheinen, auch wenn dies, mutmaßte er, ohnehin niemandem auffallen würde.
An einem Freitagmorgen im September, zwei Wochen nach seiner Vortragsreise, erwachte Herr Jakob jedoch erst gegen halb sieben und damit eine Stunde später als gewöhnlich. Zunächst nahm er an, er habe das Klingeln des Weckers überhört. Doch als er den kleinen Wecker mit der runden Scheibe, hinter der sich die Zeiger langsam bewegten, in die Hand nahm, um sich noch einmal der Uhrzeit zu vergewissern, musste er feststellen, dass der Alarm ausgeschaltet war. Er erinnerte sich genau, die Weckfunktion am Vorabend aktiviert zu haben, offenbar hatte er den Wecker im Schlaf ausgeschaltet, ohne dass er sich dessen entsinnen konnte. Er verweilte noch einen Augenblick im Bett, mit dem Rücken an das aufgerichtete Kissen gelehnt und die Decke bis zum Kinn hochgezogen, und plötzlich stieg in ihm die Erinnerung an etwas auf, das ihm geradezu lächerlich erschien.
Hatte er nicht eben noch neben einem Huhn auf einer Parkbank gesessen und sich, während das Huhn seine nächste Frage zu formulieren schien, leicht nach hinten gewendet, von wo er ein störendes Geräusch zu hören meinte? Und hatte er nicht an dem Baum, der hinter der Bank stand, auf irgendetwas gedrückt, das aus der Rinde hervor lugte und offenbar für das Geräusch verantwortlich war? Herr Jakob meinte sich zu erinnern, dass das Geräusch, ein Piepen, das sich in schneller Folge wiederholte, sogleich aufgehört hatte, woraufhin ihm das Huhn, das immer noch über etwas zu grübeln schien, einen dankbaren Blick zugeworfen hatte. Langsam formten sich weitere Einzelheiten zu einem Gesamtbild und Herr Jakob, der sich noch schläfrig fühlte und die Augen wieder geschlossen hatte, glitt unbemerkt in einen Zustand zurück, der dem eines langsamen Aufwachens glich. Nur dass sich sein Bewusstsein diesem Zustand nun aus entgegengesetzter Richtung näherte, ihn wie eine Zwischenstation passierte und hinter sich ließ, um sich in einer Welt wieder¬zufinden, die es erst kurz zuvor verlassen hatte.
Dort ging Herr Jakob eine Allee entlang, in deren Mitte sich ein breiter Grünstreifen erstreckte, der von einer kniehohen metallenen Einfassung umsäumt war. Auf beiden Seiten des Grünstreifens befand sich ein Fußweg, der unter mächtigen Kastanienbäumen im Schatten lag, neben den Fußwegen verlief eine Straße, auf der keinerlei Verkehr herrschte. Auch waren nur vereinzelte Fußgänger auszumachen, die in seltsam gemächlichem Tempo über die Allee schlenderten. Ja, fast schien es, als könne es an diesem Ort nichts geben, was in irgendeiner Weise Eile erforderte oder was irgendeiner Erledigung bedurft hätte. Am Rande der Fußwege standen in regelmäßigem Abstand Bänke und Herr Jakob, der das Gefühl hatte, an diesem Ort müsse es möglich sein, an überhaupt nichts zu denken, näherte sich einer der Bänke. Er setzte sich, lehnte sich nach hinten, legte den Kopf in den Nacken und spürte eine angenehme Wärme im Gesicht. Er schloss die Augen und fiel in einen leichten Schlummer.
Als er die Augen wieder öffnete, war er erstaunt, nicht mehr allein auf der Bank zu sitzen. Ein Huhn hatte neben ihm Platz genommen, in dessen braun schimmerndem Gefieder eine einzelne weiße Feder glänzte. Es schien die Spaziergänger zu beobachten, wandte den Kopf mal nach links, mal nach rechts und Herr Jakob wunderte sich, dass es nicht, wie er es sonst bei Hühnern gesehen hatte, mit ruckartigen Bewegungen den Kopf vor und zurück warf; vielmehr war sein Verhalten von einer gewissen Trägheit gekennzeichnet. Schließlich wandte es den Kopf in seine Richtung und blickte ihn an.
»Aha, Sie sind wieder da«, sagte es und hielt den Kopf schräg. »Es ist heute besonders ruhig hier, finden Sie nicht?«
»Ich weiß nicht«, erwiderte Herr Jakob, »ich war wohl nicht oft genug hier, um das beurteilen zu können.«
»Soso«, sagte das Huhn. Dann sah es schweigend zu einem Spaziergänger hin, der über die metallene Einfassung gestiegen war und nun auf dem Grünstreifen stand, einen schwarzen Zylinder in der einen und ein Buch in der anderen Hand haltend, den Kopf in den Nacken gelegt und in den Himmel blickte, als wolle er den ruhigen Zug der Wolken beobachten.
»Ich habe gleich bemerkt, dass Sie neu hier sind«, setzte das Huhn das Gespräch fort.
»Ach?«, sagte Herr Jakob. Auch er beobachtete nun den Spaziergänger, der einen altmodisch wirkenden schwarzen Anzug trug, in dem er wie ein Pinguin wirkte.
»Sie haben sich auf die Bank gesetzt, den Kopf in den Nacken gelegt, sich die Wärme ins Gesicht scheinen lassen und statt sodann tief und fest einzuschlafen, sind Sie nur kurz eingenickt. Als hätten Sie Angst, Sie könnten irgendetwas verpassen.«
»Ach«, sagte Herr Jakob, der auf der gegenüberliegenden Seite einen Spaziergänger bemerkt hatte, der stehen geblieben war und konzentriert auf den Boden blickte, als beobachte er dort einen langsam kriechenden Wurm.
»Sehen Sie«, sprach das Huhn mit ernst klingender Stimme, »genau das ist das Problem mit den Neuen. Sie begreifen diesen Ort nicht. Sie brauchen meist eine lange Zeit, bis sie sich auf ihn einlassen können.«
»Ja?«, fragte Herr Jakob, der spürte, wie eine innere Unruhe von ihm Besitz ergriff, gleich so, als habe er etwas Wichtiges zu erledigen, woran er sich jedoch nicht genau erinnern konnte.
»Dies ist ein Ort der Muße.« Das Huhn blickte ihn durchdringend an. »Hier gibt es nichts, was erledigt werden müsste, hier gibt es auch nichts, was Sie verpassen könnten und hier können Sie nur den Fehler machen, dies nicht begreifen zu wollen.«
»Mhm.« Herr Jakob schwieg, er hatte das Gefühl, dringend irgendwohin zu müssen. Als er den Blick unruhig über die Allee schweifen ließ, entdeckte er ein Eichhörnchen, das rechts neben der Bank unter einer Kastanie saß. Es schien tatsächlich nur dort zu sitzen und die Nuss zu betrachten, die vor ihm lag. Sein hellbraunes Fell glänzte in der Sonne, hin und wieder bewegte sich sein buschiger Schwanz gemächlich hin und her. »Entschuldigen Sie«, sagte Herr Jakob und erhob sich, »ich muss jetzt wirklich weiter.«
Das Huhn lüpfte zur Verabschiedung kurz sein Hinterteil. »Ich bin sicher, Sie kommen wieder«, sagte es, »ich sehe Ihnen an, dass Sie einer von denen sind, die sich diesem Ort nicht entziehen können.«
»So?«, sagte Herr Jakob, der schon im Gehen begriffen war.
»Ja«, sagte das Huhn. Herr Jakob hörte es nicht mehr, er hatte sich bereits abgewandt. Er wollte den Weg abkürzen, und obschon er nur eine verschwommene Vorstellung davon hatte, wo er überhaupt hinwollte, glaubte er zumindest die Richtung zu kennen und zu wissen, dass der Weg quer über den Grünstreifen kürzer sei. Beim Übersteigen der Metalleinfassung stolperte er jedoch, versuchte mit rudernden Armen das Gleichgewicht wiederzugewinnen, sah dabei aus dem Augenwinkel den Spaziergänger, der noch immer aufmerksam und ruhig in den Himmel blickte und spürte dann einen harten Schlag, begleitet von einem dumpfen Geräusch.
Herr Jakob rieb sich die schmerzende Hüfte, stützte sich mit dem Ellenbogen am Bettrand ab und stand vorsichtig auf. Ihm war schwindelig, er wusste nicht, wie spät es war und welcher Tag überhaupt war. Er hätte sich nicht gewundert, wenn auf dem Sims vor dem Schlafzimmerfenster ein Eichhörnchen gesessen hätte, das nichts weiter tat, als eine Nuss zu betrachten. Herr Jakob hatte das unbestimmte Gefühl, dieser Traum könne ein weiterer Hinweis darauf sein, dass sich irgendetwas in seinem Leben langsam veränderte und dass er sich unaufhaltsam auf einem Weg befand, dessen Ziel er nicht, oder jedenfalls noch nicht, kannte.
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Die Autorin

A.S. Dowidat, 1970 in Duisburg geboren, wuchs in Bonn-Bad Godesberg auf. Sie studierte in Bonn Evangelische Theologie und Rechtswissenschaften, promovierte in Ev. Theologie und arbeitete bislang als Zeitungsbotin, Psychiatriepörtnerin, Verwaltungsjuristin und Pfarrerin. Nach Stationen in Düsseldorf, Duisburg und Lohmar-Wahlscheid wohnt sie wieder in Bad Godesberg und arbeitet zur Zeit als Klinikseelsorgerin an der Bonner Universitätsklinik. Daneben schreibt sie Rundfunkbeiträge für die Sendungen von „Kirche im WDR“.

A.S. Dowidat ist Mitglied im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA e.V.) und in der Autorinnenvereinigung e.V., einem internationalen Netzwerk von Schriftstellerinnen, die in deutscher Sprache schreiben und publizieren.

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