2040 – Tag der Deutschen Einheit von Patrick Baumann | Indie-Autoren Bücher
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2040 – Tag der Deutschen Einheit von Patrick Baumann

2040 – Tag der Deutschen Einheit

Details:

Genre: Thriller, Dystopie
Format: eBook, Taschenbuch
Seiten: 312
Distributor: Books on Demand, Amazon KDP
ISBN/ASIN: 978-3754333792
Bewertungen: Bisher noch keine BewertungSchreibe etwas über das Buch

Klappentext:

Berlin im Jahr 2040. Die »Patriotische Alternative Deutschlands« regiert Deutschland. Rechte Schlägertrupps machen Neukölln unsicher. Paul Kanter, Ex-Gangster und Kioskbetreiber, versucht, sich aus allem Ärger herauszuhalten. Als seine Freundin, die Journalistin Olivia Kusmin, in ihrer Wohnung brutal überfallen wird, muss er nicht nur seine Unschuld beweisen, sondern gerät in eine monströse politische Verschwörung, die ihn in die dunkelsten Kapitel seiner Vergangenheit zurückführt.

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Inhalt:

Als ich 2017 beschloss, endlich einen Roman zu schreiben, hatte ich viele Ideen. Eine davon war eine „Was-wäre-wenn“-Idee: Was wäre, wenn sich Deutschland bis 2040 so ähnlich entwickeln würde, wie es sich in der Weimarer Republik entwickelt hat, mit all seinen furchtbaren Folgen?

Ich lebte 2017 in Berlin, meiner Geburtsstadt. Die Flüchtlingskrise von 2015 und das Erstarken der AfD war sehr präsent, die Bundestagswahl 2017 stand bevor. Ich sah viele Parallelen zwischen dem Berlin der 1920er Jahre und dem der Gegenwart: Berlin war damals und ist heute eine freie, bunte und wilde Stadt, in der die Menschen leben konnten, wie sie es wollten. Es gab Kunst, Partys, Sex, Drogen … Genau wie heute. Gleichzeitig beobachtete ich, dass Linke und Rechte heute immer stärker aufeinanderprallten und die politischen Standpunkte immer polarisierter wurden – genau wie in den 1920ern. Zwar noch nicht mit Straßenschlachten und Schießereien wie damals, aber: Was wäre wenn?

Hier setzt mein Thriller „2040 – Tag der Deutschen Einheit“ ein und denkt die heutige Entwicklung weiter: Was wäre, wenn eine extrem rechte Regierung wieder in Deutschland an die Macht käme? Wie würde die Welt, wie würde Deutschland, wie würde Berlin aussehen? Wie entwickelt sich die Technik in den nächsten zwanzig Jahren weiter? Und was, wenn auch dieser neuen rechten Regierung jedes Mittel recht wäre, mehr Macht an sich zu reißen und sogar wieder die Demokratie abzuschaffen?

Die Hauptfigur meines Thrillers ist Paul Kanter, ein ehemaliger Angehöriger eines Gangster-Clans und mittlerweile Inhaber eines Kiosks in Berlin-Neukölln. Er will eigentlich keinen Ärger, gerät aber (scheinbar) zufällig in eine Verschwörung, die eine Nummer zu groß für ihn ist und ihn in die dunkelsten Kapitel seiner Vergangenheit zurückführt. Ich habe selbst lange in Neukölln gelebt, sogar in der im Buch genannten Fuldastraße. Es hat mir großen Spaß gemacht, mir das Berlin des Jahres 2040 vorzustellen, und ich hoffe, dass es meinen Lesern ebenso viel Spaß macht. Und ich hoffe, dass das von mir geschilderte Deutschland des Jahres 2040 nur ein Produkt meiner Fantasie bleibt.

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Leseprobe

1

Paul Kanter steht mit geschlossenen Augen am Tresen seines Kiosks in Neukölln, seine langen Arme auf die Tresenplatte gestützt. Er sieht den nach Luft schnappenden Mann. Wie jeden Tag. Sieht, wie er zuckt. Hört sich selbst, wie er ihn anschreit.
Hast gedacht, du könntest abhauen, ja? Aber nicht mit mir, du kleiner, dürrer Scheißer.
Schüttelt den Kerl, drückt seinen Kopf wieder in das gekachelte Becken, in dem kniehoch das Brackwasser steht. Nur noch ein paar Sekunden, damit der Wichser kapiert, dass er das mit Paul Kanter nicht machen kann. Merkt, wie der Körper des Mannes erschlafft. Riecht die Scheiße, als der Schließmuskel des Mannes nachgibt. Als wäre es gestern gewesen.
Erinnert sich an sein Entsetzen, als er merkt, dass der Mann tot ist.
Als er aus seiner Raserei aufwacht.
Er wollte das nicht. Eigentlich wollte er nie Menschen wehtun. Doch die Dinge hatten sich anders entwickelt.
Kanter macht die Augen auf. Fast erstaunt, in seinem Laden zu stehen und nicht in der zugigen Fabrikhalle, in der er vor einundzwanzig Jahren einen unschuldigen Mann getötet hat. Jedenfalls unschuldig genug, um nicht umgebracht zu werden.
Vor ihm auf dem Tresen liegt sein altes Tablet, auf dem die Nachrichten laufen. Tagesschau. Der Avatar sieht aus wie der digital optimierte Bastard seiner menschlichen Vorgänger, die nach und nach in den wohlverdienten Ruhestand gebeten worden waren. Sein Mund bewegt sich synchron zum gesprochenen Text, die Stimme ist von einer menschlichen nicht zu unterscheiden. Kanter wird sich trotzdem nie an die Avatare gewöhnen. Er hat mal gelesen, dass ein Lächeln nicht gespielt werden kann, dass Dutzende Gesichtsmuskeln beteiligt sind. Das kriegen sie bei den Avataren einfach nicht hin. Sie lassen den Sprecher von einem Blatt Papier ablesen, was bei einem virtuellen Wesen nicht mehr lächerlich, sondern auf rührende Weise nostalgisch wirkt.
Ein Ausschnitt vom Bundesparteitag der PAD zeigt Bundeskanzler Wischnewski: »Wir werden dieses Land wieder groß machen, und wir werden keine tausend Jahre dafür brauchen!« Die Angehörigen der Patriotischen Alternative Deutschlands sind noch immer im Rausch seit der Wahl vor drei Jahren, die sie an die Macht gespült hat.
Auf dem Bildschirm erscheint eine animierte Sonne mit Gesicht, lächelt ihn an und sagt mit begeisterter Stimme: »Guten Morgen, Paul. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Sunrise wünscht dir alles Gute!«
Kanter macht »Pfff«, schaltet das Tablet ab und legt es beiseite. Er schaut auf seine Armbanduhr mit dem abgewetzten, dicken Metallband, auf der mechanische Zeiger die Uhrzeit anzeigen. Es ist fünf nach neun. Höchste Zeit, den Laden zu öffnen.
Kanter dreht den Schlüssel, der innen im Schloss steckt, und öffnet die Tür von Onkel Toni’s, seinem Kiosk, einer Einrichtung, die man in Berlin nur »Spätverkauf« oder kurz »Späti« nennt. Es gibt Hunderte davon in Neukölln, dem Stadtteil, der sich wie ein bösartiges Geschwür von der Mitte Berlins bis an den südöstlichen Rand der Stadt zieht. Onkel Toni’s heißt der Kiosk nach Kanters Onkel Toni, der den Laden vor rund vierzig Jahren eröffnet hat. Früher hieß der Laden nur Toni’s, doch nach dessen Tod hat Kanter das Geschäft übernommen und ihm zu Ehren umbenannt. Irgendein klugscheißender Student hat Kanter mal einen Vortrag darüber gehalten, dass der Apostroph da nicht hingehöre, dass das nur im Englischen so gemacht werde. Kanter hat erwidert, dass er ja woanders einkaufen kann, wenn es ihm nicht gefällt.
Es ist frisch, aber sonnig. Ein Septembertag mit nur wenigen Wölkchen am blauen Himmel. Nicht zu heiß nach einem Sommer, den man in Kanters Kindheit Rekordsommer genannt hätte, der sich mittlerweile aber jährlich wiederholt. Es hat sogar wieder geregnet in den letzten Wochen, sodass die vertrockneten Bäume und Büsche in der Fuldastraße sich langsam erholen.
Auf der anderen Straßenseite hockt die Frau aus Bangladesch vor ihrem Zelt und bereitet Tee zu. Ihr Sohn ist nicht zu sehen. Sie hebt grüßend die Hand und zeigt Kanter ein schüchternes Lächeln. Er nickt ihr zu.
Zwei Tische und einige Stühle lehnen zusammengeklappt an der Hauswand neben seinem Laden. Mit eckigen Bewegungen öffnet er das Schloss des Kabels, mit dem die Möbel gesichert sind, klappt sie auseinander und baut sie auf. Dann faltet er seinen langen, sehnigen Körper auf einen Stuhl, zieht eine Schachtel echter Zigaretten aus der Brusttasche, streckt seine Beine, um ein Feuerzeug aus seiner schwarzen Jeans zu fischen, und zündet sich seine Zigarette an. Er nimmt einen tiefen Zug; wie das verzweifelte Luftholen eines Mannes, dessen Kopf zu lange unter Wasser gedrückt wurde.

>>> Eine längere Leseprobe findest Du zum Download auf meiner Website!

Der Autor

Patrick Baumann, Jahrgang 1977, lebt in Berlin, Görlitz und dem Rest der Welt als Unternehmer und Autor. »2040 – Tag der Deutschen Einheit« ist sein erster Roman.

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