Wenn jeder Schritt die Schuhe weitet von Bernhard Lakomy | Indie-Autoren Bücher
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Wenn jeder Schritt die Schuhe weitet von Bernhard Lakomy

Wenn jeder Schritt die Schuhe weitet

Details:

Genre: Ratgeber
Format: Taschenbuch, eBook
Seiten: 207
Distributor: Amazon KDP
ISBN/ASIN: 978-1549627033
Bewertungen: Bisher noch keine BewertungSchreibe etwas über das Buch

Klappentext:

Wenn jeder Schritt die Schuhe weitet – Erfahrungen auf dem Jakobsweg

„El camino de Santiago comienza a tu casa“ bekommt man in Spanien zur Antwort, wenn man fragt, wo der Camino eigentlich beginnt. Der Jakobsweg beginnt an Deiner Haustür. Durch eine winzige Änderung wird daraus „El camino de Santiago comienza a tu corazón“. Der Jakobsweg beginnt in Deinem Herzen. Öffne also Dein Herz, und lasse Dich auf den Weg und das, was er Dir zu bieten hat, ein. Und genau so wollte ich es angehen, als ich zu meiner Pilgerreise aufbrach.

Inhalt:

Knapp sechs Wochen war ich zu Fuß auf dem Camino de Santiago unterwegs. Über mehr als 930 km führte mich meine Reise von den Gipfeln der Pyrenäen am Col du Somport nach Santiago de Compostela und weiter zum Kap Finisterre und zum Heiligtum von Muxía.

Begleiten Sie mich auf diesem außergewöhnlichen Weg, der schon seit mehr als 1.000 Jahren von Pilgerinnen und Pilgern benutzt wird. Wandern Sie mit mir durch atemberaubende Landschaften, und lassen Sie sich von den vielen kleinen Geschichten und Anekdoten unterhalten, die ich auf dem Camino erlebt habe. Nehmen Sie teil an faszinierenden Begegnungen mit interessanten Menschen, die Sie – da bin ich mir sicher – nachhaltig beeindrucken werden.

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Leseprobe

Entlang des Río Aragón von Jaca nach Sangüesa

Plötzlich fühle ich mich jäh aus meinen Gedanken gerissen. Dort vor mir, etwas weiter den Hügel hinauf, hat sich etwas bewegt. Als ich näherkomme stelle ich erleichtert fest, dass keine Gefahr droht. Es sind nur einige Schafe, die die Nacht in einem Gatter verbracht haben und nun langsam munter werden. Wieso bin ich nur so schreckhaft? In der Nähe des Gatters bleibe ich stehen, um etwas zu trinken. Und während ich noch die Landschaft betrachte, kommt mir so eine warnende Idee, doch besser weiter zu gehen. In der Nähe von Schafherden sind Hunde nicht selten. Der Gedanke ist noch nicht zu Ende gedacht, als auch schon ein Riesenexemplar von Hütehund unter wütendem Gebell auf mich zu gestürmt kommt. Was nun? Totstellen? Zu riskant! Flüchten? Keine Chance, und erst recht nicht mit 10 kg Gepäck auf dem Rücken! Selber angreifen? Bei einem Dackel vielleicht, aber nicht bei diesem Monster von Hund! Er ist schon bedrohlich nah, als ich meinen ganzen Mut zusammennehme, mich langsam umdrehe und behutsam, aber festen Schrittes das Feld räume. Schließlich macht der Hund nur seinen Job, nämlich die Schafe zu beschützen. Wenn er also merkt, dass ich gar keine Gefahr für seine Schützlinge darstelle, dann müsste er eigentlich an der Grenze seines Reviers haltmachen. Soweit jedenfalls meine stille Hoffnung. Und tatsächlich, nach einer gefühlten Ewigkeit bleibt er stehen, schickt mir noch ein paar warnende Worte hinterher, und dann ist Ruhe. Als ich endlich wage, mich umzudrehen, trottet er schon wieder zurück zu seinen Schafen. Beruhigt setze ich meinen Weg fort.
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Nach einer ausgiebigen Mittagspause breche ich wieder auf in Richtung Arrés. Nun geht es manchmal gefährlich nahe an der Straße entlang, dann wieder folgt der Weg dem Ufer des Rio Aragón. Während mir anfangs noch ganz vereinzelt Menschen begegnet sind, sehe ich hier nun niemanden mehr. Die Anzahl der Geier, die ich heute beobachtet habe, übersteigt die der Menschen um ein Mehrfaches. Kurz vor dem kraftraubenden Anstieg nach Arrés, einem kleinen Bergdorf, setze ich mich zu einer kurzen Rast an das steinige Flussufer. Ich brauche dringend noch einmal eine Gelegenheit, Kraft zu sammeln. Dann geht es los. Die folgenden drei Kilometer haben es wirklich in sich. Ich brauche tatsächlich eineinhalb Stunden für diese läppische Entfernung! Der Höhenweg verläuft entlang einer Bergkuppe und ist traumhaft schön. Allerdings fordert er mir die letzten Reserven ab. Es handelt sich um einen sehr schmalen Pfad; das bedeutet erhöhte Stolpergefahr. Will man die Landschaft bewundern, dann ist es ratsam, kurz stehen zu bleiben. Alles andere wäre zu gefährlich. Dazu brennt die Sonne unbarmherzig vom wolkenlosen Himmel. Schatten – Fehlanzeige. Es geht durch Ginster und Buchsbaum, und der Weg scheint kein Ende zu nehmen. Ich habe inzwischen fast das Gefühl, den Berg schon einmal umrundet zu haben. Kurz vor dem Ziel überholen mich zwei, und kurz darauf prescht noch ein weiterer Pilger an mir vorbei. Warum die so ein Tempo draufhaben, wird mir erst klar, als ich gegen halb fünf die schöne Herberge in dem malerischen Dorf erreiche. Die hat nämlich nur 16 Betten und ist inzwischen voll. Der freundliche Hospitalero bietet mir dennoch eine Matratze auf dem offenen Zwischenboden in ca. drei Metern Höhe an. Dort hinauf führt eine steile und nur lose angestellte Leiter. Ich kämpfe mit mir, ob ich das Angebot annehmen soll. Aber der nächste Ort ist über 20 km entfernt und somit vor Einbruch der Dunkelheit auf keinen Fall zu erreichen. Außerdem habe ich schon 26 km auf dem Tacho. „Stell dich nicht so an“, höre ich mich sagen und steige dann vorsichtig die wackelige Leiter, die der Hospitalero für mich festhält, hinauf. Freundlicherweise hilft er mir auch noch, meinen Rucksack hochzuhieven. Während ich anfange meine Sachen auszupacken, wird mir hier oben doch etwas mulmig. Im Notfall, man weiß ja nicht, wer noch heute ankommt, muss der Platz auf dem Zwischenboden für bis zu vier Personen reichen. Und die leichten Schaumstoffmatratzen sind auch nur maximal fünf Zentimeter dick. Mal abgesehen von der gefährlichen Kletterei – ich muss ja bestimmt noch zwei- bis dreimal hier rauf und runter – spricht alles für eine eher schlaflose Nacht, das zumindest scheint mir sicher. Also frage ich den Hospitalero, ob er nicht doch noch irgendwo auf dem Boden ein Notbett für mich aufschlagen kann. Ich sehe aber schnell ein, dass es dafür einfach keinen Platz gibt. Was mache ich jetzt? Dann kommt die Erlösung. Es gibt in diesem winzigen Nest eine Bar, die auch Zimmer vermietet, mit 30 € nicht ganz billig, aber sauber und mit schöner Aussicht. Und so entscheide ich mich, von diesem Angebot Gebrauch zu machen und ziehe mit meinen Habseligkeiten um in die kleine Pension. Als ich später noch einmal hinausgehe, um mir den spektakulären Sonnenuntergang anzusehen, komme ich mit Anna aus der Schweiz ins Gespräch. Sie hat sich für diese Tour eine Auszeit von zweieinhalb Monaten(!) genommen und sich, um nicht allein laufen zu müssen, einer kleinen Gruppe von Pilgern angeschlossen. Anna erzählt mir, dass sie, dem Herdentrieb folgend, wie die andern gleich am ersten Tag die gesamten 33 Kilometer vom Somport nach Jaca gelaufen ist. Entsprechend sehen nun ihre Füße aus, voller Blasen. Das muss ganz schön wehtun.
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In der Gartengaststätte der Herberge treffe ich Uwe wieder, der schon bei patatas bravas und huevos fritos (Bratkartoffeln mit Spiegeleiern) sitzt und es sich schmecken lässt. Schlagartig stellt sich bei mir ein unbändiges Hungergefühl ein. Also leiste ich ihm Gesellschaft und bestelle mir das gleiche. Gerade wollte ich stolz darauf sein, meine Bestellung in Spanisch hinbekommen zu haben, da höre ich vom Nachbartisch, wie es richtig hätte heißen müssen. „No, no huevos fritas sino huevos fritos, esto es masculino!“, schreibt mir mein Compañero Isidoro ins Stammbuch. Ihn und seinen Freund José treffe ich nun jeden Tag. Und Isidoro weiß zu allem etwas zu sagen. Aber das macht ihn nicht unsympathisch. Im Gegenteil, er weiß tatsächlich unglaublich viel und scheint sich in allen Lebensbereichen bestens auszukennen. Kurz darauf treffen auch Anna, Ileen und Chiara ein. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, dann treibt es mich weiter, und dass ich mich so gut gestärkt habe, wird sich schon bald als eine sehr umsichtige Maßnahme herausstellen. Die folgenden zehn Kilometer haben es nämlich wirklich in sich. Zunächst sind auf einer Strecke von ca. fünf Kilometern rund 400 Höhenmeter zu bewältigen, bevor es dann ebenso steil wieder bergab geht, und zum Finale der Weg dann erneut um 100 Meter ansteigt! Anfangs geht es noch erst leicht bergab und dann, bei mäßiger Steigung, relativ gemütlich bergauf durch einen schönen Wald. Nun wird der Weg breiter und schlängelt sich serpentinenartig den Berg hinauf. Es ist nicht einmal die Steigung an sich, die mir zu schaffen macht, aber sie will einfach nicht aufhören. Und das geht kräftemäßig jetzt echt ans Eingemachte, zumal die Sonne senkrecht vom Himmel scheint, und die Bäume wegen der Breite des Weges kaum noch Schatten spenden. Immer wieder muss ich anhalten, um etwas zu trinken. Der Flüssigkeitsverlust ist enorm. Meine Klamotten sind klatschnass vom Schweiß. Dann endlich, nach mehr als zwei Stunden, erreiche ich den höchsten Punkt und schreie meine Freude darüber erleichtert und laut aus mir heraus. Das wäre erst einmal geschafft.

Von hier oben kann ich zum ersten Mal einen Blick auf die sanften Hügel Navarras werfen. Eine schöne, liebliche Landschaft breitet sich vor mir aus. Das ist einer dieser Augenblicke, für die es sich lohnt, jede Anstrengung auf sich zu nehmen. Der Blick entschädigt mich für den wahrhaft schweißtreibenden Aufstieg. Langsam senkt sich der Weg nun in Richtung Tal. Und während ich vorhin immer mal wieder im Schatten eines Baumes verweilen konnte, gibt es jetzt vor den Strahlen der Sonne absolut kein Entrinnen. Ich brauche aber dingend eine Pause und wenigstens etwas Abkühlung. In Ermangelung einer anderen Lösung finde ich schließlich ein wenig Schatten tief unter einem Busch und lasse mich dort auf einem Stein nieder, nachdem ich mich vorher sorgfältig davon überzeugt habe, dass ich auf keinen Fall einer Schlange ins Gehege komme. Was für eine Wohltat, einfach dort zu sitzen! Ich denke an Paco aus Madrid und frage mich, wie er wohl mit seinen 81 Jahren diese Herausforderung gemeistert haben mag.

Der Autor

Bernhard Lakomy arbeitet selbständig als systemischer Coach und Trainer für Fach- und Führungskräfte. Er ist begeisterter Wanderer und Naturliebhaber. Auf verschiedenen Jakobswegen in Spanien, Portugal und Deutschland hat er mittlerweile mehr als 3.000 km zurückgelegt. Er wohnt in einer kleinen Stadt am Niederrhein und folgt seinem Lebensmotto „Wege entstehen beim Gehen…“

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