Bitter Moon Poetry von Hagen Bretschneider
Kategorie : Lyrik

Bitter Moon Poetry: Geschichten
von Hagen Bretschneider

    Details:

  • 01
    Format und Seiten

    Gebundene Ausgabe, Taschenbuch & E-Book, 208 Seiten

  • 02
    Verlag und ISBN

    tredition, 978-3734550485

Willkommen, ihr Bodenwellen-Reiter auf den großporigen
Teerstraßen, den Minenfeldern der urbanen Seele
Zu einer Reise in die dunklen Ströme des Herzens
Dies ist das Infarkt-Finale nach dem Spaßterror
Denn hier ist er schließlich angelangt, der kleine Junge,
Der den Höllenhund mit glutroten Augen
Unter seinem Bettchen entdeckt hat
„Wo ist zuhause, Mama?“
Aber keiner kommt hier lebend raus
Denn dies ist das Ende des Lebens
Und der Beginn des Überlebens…

Nico Walser

Bitter Moon Poetry von Hagen Bretschneider

Klappentext:

Die Welt ist aus den Fugen. Sie gleicht einer ausgehängten Tür. Sie ist verrückt geworden. Bretschneider, Prophet des Desasters, wütet gegen das Verbrechen der Gleichgültigkeit, gegen die mitunter ins Groteske umschlagende Grausamkeit der Gegenwart. Der Mensch ist Angst. Der Mensch ist Verlassenheit. Der Mensch ist Verzweiflung. Rücksichtslos geht es runter. Bis in die tiefsten Niederungen. Jede Geschichte ist eine weitere quälende Drehung an dieser Spirale des Niedergangs. Es ist die Tortur einer Daumenschraube. Ein dichter, temporeicher Sprachteppich. Ein unbequemer Sitzplatz, auf dem sich Burroughs, Sartre und Houellebecq verstört aneinander klammern.

Über das Buch

30 Jahre hat der Vulkan gebrodelt, jetzt ist er ausgebrochen. Ein wortgewaltiger Lyrik-Ausbruch, der dem Leser, der sich auf die 208 Seiten geballter Wort-Eruptionen einlässt, allerlei abverlangt. Konventionelle Leseversuche scheitern angesichts der gnadenlosen Intensität von Bretscheiders Wort- und Bildkaskaden, seiner Lyrikflut, die den Leser geradezu wegschwemmt, in der ihn der Autor zu ertränken droht. Bretschneider knüpft zum einen an Collage-Techniken der Dadaisten an, zum anderen an die von William S. Burroughs entwickelte amerikanische „Cut-up“-Technik, die vorhandene Textangebote nach bestimmten Regeln zerreißt, um sie mehr oder weniger zufällig zu neuen Hyper-Texten zusammenzusetzen. So entsteht eine neue Erzählstruktur ohne eine wirkliche, lineare Handlung. Verinnerlichte Automatismen herkömmlicher Textauffassungen des Lesers laufen ins Leere.

Bei Bretschneider geraten die Leser auf die „Minenfelder der urbanen Seele“. Der Springer Lyriker verweigert sich traditionellen Lyrik-Formen, macht sich nicht auf die Suche nach dem perfekten Satz, der kunstvollen Sentenz, der passenden Metapher, sondern überschüttet mit einem expressiv-depressiven Ausbruch seiner Bewusstseinssituation. Es ist das „Infarkt-Finale nach dem Spaßterror“, die „Welt des Niemals“, in der die Vergangenheit nie aufhört und die Zukunft nie beginnt, in der „alle Wege ins Absurde führen“. Am Ende des Wortgewitters „langsames Ausklingen, kein Entrinnen, ein Strudel, ein Sog“. Bretschneiders Wahrnehmung ist subjektiv und provozierend, keinesfalls etwas für schwache Gemüter oder bildungsbürgerliche Literaturästheten. Bretschneider gräbt sehr tief und entfacht mit seinen Endzeit-Assoziationen einen lyrischen Flächenbrand, ein alttestamentarisches Inferno – unerbittlich, konsequent, hoffnungslos. Das Buch ist dem Leser zwar sehr zu empfehlen, gleichzeitig muss er aber davor gewarnt werden. Wer sich in die Bretschneidersche Wortwildnis begibt, kann darin auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

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