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Die Rückkehr von K. - (K)eine Biographie von Jürgen Heimlich

Die Rückkehr von K. - (K)eine Biographie

Details:

Genre: Biografien
Format: Taschenbuch
Seiten: 80
Distributor: Twentysix
ISBN/ASIN: 978-3740770242
Bewertungen: Bisher noch keine BewertungSchreibe etwas über das Buch

Klappentext:

Und schon wieder eine Kafka-Biographie? Aber nein, gemach, gemach!

Die Grenzen einer Biographie werden gesprengt. Der Erzähler möchte eine Kafka-Biographie schreiben und gerät in Kontakt mit Figuren aus dem Kafka-Universum, die in die Jetzt-Zeit transformiert wurden.

Die Erzählung bindet biographische Elemente aus dem Leben von Franz Kafka ein und korrespondiert zudem mit Lebenserinnerungen des Autors. Also wenn das (k)eine Biographie ist, was dann?

Inhalt:

Kafka-Biographien gibt es viele. Im Grunde ist alles gesagt. Aber das sieht der Autor dieses Buches anders. Der Versuch einer Annäherung an Kafka impliziert, direkt in die Welt von Franz Kafka einzudringen. Zu einem Teil dieser Welt zu werden. Diese Welt kann einen unheimlichen Sog erzeugen. Und ob es überhaupt möglich ist, sich in einer Welt zurecht zu finden, in der einem Franz Kafka höchstpersönlich begegnen könnte, ist ein großes Fragezeichen der Literaturgeschichte. Auf dieses Abenteuer hat sich der Autor eingelassen.

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Leseprobe

Ich stelle den Koffer in meinem Zimmer ab. Er ist verdächtig leicht, noch leichter als bei meinem Aufbruch zur Pension. „7 5 3“, höre ich ein krächzendes Stimmchen rufen. Friederike wird kaum mehr Luft bekommen, ich habe es ja geahnt! Also, schnell die Kombination einstellen und das Köfferchen öffnen! Und es erfasst mich ein großer Schrecken. Denn im Koffer befindet sich nicht eine Frau meines Alters, sondern ein hässlicher Käfer, der mühsam ein paar Beinchen ausstreckt und sich aus seinem Gefängnis zu befreien versucht. „Helfen Sie mir!“, sagt er und es fällt mir schwer, die Kreatur anzusehen. Ich kippe den Koffer ein wenig und der Käfer plumpst heraus. „Danke“, sagt der Käfer. Erst jetzt bemerke ich den Apfel, der in seinem Körper steckt. Ein Apfel, der vor Fäulnis stinkt. „Sagen Sie...“ Ich bin etwas verwirrt. „Sind Sie...“ Der Käfer bewegt sich auf eine Zimmerwand zu und klettert dann hinauf. Schließlich hängt er an der Decke. „Sie sind es! Natürlich! Sie sind Gregor, Gregor Samsa! Bitte kommen Sie wieder herunter. Ich würde gerne ein Wörtchen mit Ihnen reden.“ Es dauert einige Zeit, bis der Käfer ansprechbar ist. Er versucht schließlich, sich vor mir aufzubäumen, doch es gelingt ihm nicht. „Ich will doch nur meinem Tagwerk nachgehen, lieber Herr! Als Handlungsreisender habe ich große Verantwortung. Es gilt, meinen Vorgesetzten nicht zu enttäuschen. Eben erst hat er angerufen und mein Vater konnte ihm nur sagen, dass ich krank bin. Aber werde ich je wieder meine menschliche Gestalt annehmen? Sagen Sie es mir, Sie müssen es doch wissen...“ Ich schüttle den Kopf. Die Wahrheit darf ich Gregor nicht sagen. Dass er grausam zu Tode kommen wird. Allein gelassen von seiner Familie. Dabei hat er seine Familie viele Jahre ernährt. Und das soll der Dank sein?

Musik erschallt. Also etwas, das Musik sein könnte. Es ist viel zu laut. Was ist da oben los? Es ist nach Mitternacht und die Leute nehmen keine Rücksicht. Dieser Lärm ist unerträglich! Franz Kafka war besonders lärmempfindlich. Es muss schrecklich für ihn gewesen sein, bei all dem Lärm Konzentration zu finden. Er lebte ja immer gemeinsam mit seinen Eltern und dann kamen noch seine drei Schwestern hinzu. Ständig schlugen Türen, ertönten Stimmen. Kafka sehnte sich nach Ruhe. Er wurde im Sommer 1916 von seiner Schwester Ottla unterstützt. Kafka war zu diesem Zeitpunkt 33 Jahre alt. Ottla und er wurden fündig. Ein kleines Häuschen im goldenen Gässchen diente als Fluchtpunkt und ruhiges Plätzchen, um zu schreiben. Was für ein Kontrapunkt zum Lärm im Haus „Zum goldenen Hecht“! Er hörte seinen Nachbarn kaum. Zwar hatte Ottla das Häuschen gemietet, doch benutzte es weitgehend ihr Bruder Franz. Kafka schrieb hier vordergründig. Seine Schwester versorgte ihn mit dem Nötigsten. Er brauchte sich um nichts zu kümmern. Er schrieb meist bis nach Mitternacht. Danach machte er einen kleinen Spaziergang zurück in die Hölle des Lärms. Empfindsamen Menschen wie Kafka ist es nicht zuzumuten, dauerndem Lärm ausgesetzt zu sein. Aber er löste sich nicht von seinem Elternhaus. Er blieb dort wohnen, wo seine Eltern waren. Er zog mit der Familie mehrmals um.

Während ich in Gedanken war, habe ich nicht auf Gregor geachtet. Ich sehe mich im Zimmer um. Keine Spur von dem übergroßen Käfer. Ich schaue auf die Decke, nichts. Auch im Bad ist er nicht. Wohin kann er verschwunden sein? Wieso verschwinden die Figuren und Menschen, die mit Kafka zu tun haben, jedes Mal, ohne sich zu verabschieden? Das ändert nichts an dem Lärm, dem ich ausgesetzt bin. Das ist auf Dauer nicht auszuhalten. Also verlasse ich mein Pensionszimmer und will der Ursache des Lärms auf den Grund gehen. Aus der entsprechenden Zimmertür dringt eine schrille Stimme. Singt da eine Frau eine Arie? Das war mir vorhin nicht aufgefallen. Ich klopfe und sogleich wird die Tür geöffnet. Ein Mann mit wirrem Haar steht vor mir. „Kommen Sie rein, Madame erwartet Sie.“ In diesem kleinen Pensionszimmer steht ein Waschzuber. Darin befindet sich eine nackte, korpulente Frau. Ein schmächtiger Mann wäscht ihr gerade den Rücken. „Kommen Sie“, ruft die Frau mit lauter, durchdringender Stimme. „Waschen Sie mir die Haare!“ Ich gehe langsam auf die Frau im Waschzuber zu. „Karl haben wir am Balkon eingesperrt. Er soll uns nicht stören. Wenn Sie mir das Haar waschen, werde ich sehr lieb zu Ihnen sein.“ Karl, meint die Dame Karl Roßmann? Aber ja, natürlich, das muss die berühmte Brunelda sein! Und Karl Roßmann klopft an die Balkontür. Ich glaube, dass er friert. „Lassen Sie ihn doch herein, um Gottes Willen!“, sage ich. „Der junge Mann könnte sonst die Nacht vielleicht nicht überleben.“ Brunelda lacht irgendwie dreckig, obwohl sie in einem Waschzuber steckt und der Badeschaum ihre Blöße teilweise bedeckt. „Sie wissen doch, dass er wieder herein gerufen werden wird. Ihnen ist es also zu laut, Herr Heimlich? Sind Sie auch so lärmempfindlich wie unser gemeinsamer Freund Franz?“ Da kann ich nur zustimmen. „Ich kann Sie beruhigen. Wenn ich mein Bad genommen habe, werde ich still sein wie eine Tote. Abgesehen von gelegentlichen Schreien, bei denen Sie sich aber nichts denken müssen. Und ich empfehle Ihnen einen Hörschutz! Sie sollten sich so richtig ausschlafen, schließlich wartet morgen das Theater Oklahoma auf Sie. Ich soll Ihnen mitteilen, dass Sie schon um 12 Uhr dort erwartet werden. Um 21 Uhr würden Sie dort niemanden mehr antreffen. Begeben Sie sich also zu Bett und träumen Sie süß.“ Brunelda hievt ihren mächtigen Körper in die Höhe. Sie ist nicht nur korpulent, sondern auch sehr groß. Sie überragt mich und die beiden anderen Männer fast um zwei Köpfe. „Haben Sie keine Angst. Ich tue Ihnen nichts. Außer Sie wollen sich zu mir legen.“ Sie entsteigt dem Waschzuber und sofort wird sie von dem jüngeren Mann in mehrere Handtücher gewickelt. „In einer Stunde soll Karl zu mir kommen. Vorher bist du dran“, sagt sie zu dem Mann, der mir die Tür geöffnet hat. Ich lüfte einen imaginären Hut und beeile mich, dieses Zimmer zu verlassen. In meinem eigenen Zimmer angekommen ist es mucksmäuschenstill. Als wären ober mir keine Pensionsgäste einquartiert. 12 Uhr also, gut, dass ich nach oben gegangen bin. Ich öffne kurz das Fenster und glaube, auf der Straße von einer Laterne beschienen, einen übergroßen Käfer krabbeln zu sehen. Gregor hat es in die Freiheit geschafft. Wenn da nur der Apfel nicht wäre, der unbedingt rasch entfernt werden sollte. Sonst wird der arme Handelsreisende in Käfergestalt diese Nacht nicht überleben.

Der Autor

Jürgen Heimlich wurde 1971 in Wien geboren. Er agierte von 2007 bis 2012 als Krimi-Autor und engagiert sich seit 2016 für die Etablierung der Einfachen Sprache als literarisches Genre. Zudem liebt er Friedhöfe und hat Werke über den Wiener Zentralfriedhof im Speziellen und Wiener Friedhöfe veröffentlicht. Sein Stück für Kinder „Dialog mit meinem Schatten“ hatte im März 2019 im Theater Siebenundsiebzig in Innsbruck Premiere.

Der Autor hat einen besonderen Bezug zu Franz Kafka und dessen Werk. Nun legt er mit „Die Rückkehr von K.“ eine ungewöhnliche Form einer Kafka-Biographie vor.

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