Buchveröffentlichung: Verlag oder Selfpublishing? Ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht

Ein Gastartikel von Gabriele Popma

Nach der Fertigstellung des Manuskripts stellt man sich als Autor:in die Frage nach der Veröffentlichung des eigenen Buchs. Wer einen Verlagsvertrag ergattert, muss schließlich nichts mehr machen, außer auf die Bestseller-Tantiemem zu warten. Alle anderen müssen ihr Werk im Selfpublishing veröffentlichen und sind gezwungen das Lektorat, Korrektorat, die Erstellung des Buchcovers und das Marketing selbst zu übernehmen oder diese Dienstleistungen kostspielig auszulagern. – Aber ist das wirklich so? Die Autorin Gabriele Popma hat beide Veröffentlichungsarten mitgemacht und teilt hier ihre Erfahrungen mit euch.

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Mein Buch ist fertig – und jetzt?

Wochen-, monatelang habe ich an meinem Roman geschrieben, überarbeitet, korrigiert, geändert, nochmal überarbeitet und nach Fehlern gesucht. Jetzt ist es endlich fertig. Aber was mache ich jetzt? Suche ich mir einen Verlag oder veröffentliche ich das Buch im neuerdings so populären Selfpublishing?

Selfpublishing ist ein Schlagwort, das seit einigen Jahren durch die Buchlandschaft geistert und sie deutlich verändert hat. Denn plötzlich sind Autor:innen nicht mehr dem Wohlwollen der Verlage ausgeliefert, sie können ihr Buch selbst auf den Markt bringen. Und das ist gar nicht so teuer, wie man meinen möchte.

Aber Selfpublishing ist nur für Autor:innen, deren Bücher zu schlecht für einen Verlag sind.

Nein! Auch wenn Selfpublisher:innen noch viel mit diesem Vorurteil zu kämpfen haben, es ist einfach nicht wahr. Ich kenne Autor:innen, die einen Verlagsvertrag ausgeschlagen haben, um selbst zu publizieren. Die meisten wollten die Kontrolle über ihre Bücher behalten, einigen ging es beim Verlag auch nicht schnell genug.

Ich habe auch schon etliche Verlagsbücher gelesen, die vor Fehlern nur so strotzten, stinklangweilig waren oder deren Inhalt mich gelinde gesagt ratlos zurückgelassen hat. Ich habe auch Bücher von Selfpublisher:innen gelesen, die mich begeistert haben und die orthografisch perfekt waren.

Selfpublishing ist mir viel zu kompliziert

Zugegeben, man muss sich schon ein wenig mit der Materie vertraut machen. Der große Vorteil eines Verlages ist: Er nimmt euch alles ab. Ihr übergebt ihm (oder eurem Agenten) euer Manuskript und müsst euch um nichts mehr kümmern. Vielleicht bekommt ihr ein Mitspracherecht bei Änderungen. Vielleicht aber auch nicht. Und hier liegt der Vorteil beim Selfpublishing. Ihr könnt (müsst) alles selbst machen. Aber lasst euch davon nicht abschrecken. Es ist gar nicht so kompliziert, wie man zuerst glaubt. Und es gibt mittlerweile im Internet sehr viele gute Tipps und Handreichungen.

Aber wenn ich einen Verlag habe, habe ich es doch geschafft

Nein, leider nicht. Ich bin dafür selbst das beste Beispiel. In den 90er Jahren habe ich meinen ersten Roman geschrieben und tatsächlich bei einem Verlag untergebracht. Die Freude war natürlich riesengroß. Aber bald folgte die Ernüchterung. Dass sofort mein Titel geändert wurde, hat mich nicht gestört, das ist anscheinend so üblich, auch, dass ich das Cover genau an dem Tag zum ersten Mal sah, als ich meine Gratisexemplare bekam, habe ich hingenommen, aber mein Roman wurde nie richtig beworben, sondern generell sehr stiefmütterlich behandelt.

Mein Verlag war zwar keiner der Bezahlverlage, vor denen (zu Recht) gewarnt wird, sondern ein guter Publikums-Verlag, aber das nutzt einem nichts, wenn man dort in einer Ecke versauert. Ja, mein Buch wurde wie alle anderen Neuerscheinungen im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels und im Buchreport angekündigt. Angeblich wurde es auch von Vertretern bei ausgesuchten Buchhandlungen vorgestellt. Das war’s aber auch, es gab nie eine Besprechung oder eine Werbeanzeige in einschlägigen Blättern. Ich weiß nicht, wie viele Menschen meinen Erstling Umwege zum Glück damals gelesen haben. Sehr viele können es nicht gewesen sein und das lag nicht an der Qualität. Denn als ich das Buch zwanzig Jahre später als Selfpublisherin neu veröffentlichte, verkaufte ich innerhalb weniger Monate mehr als der Verlag während der kompletten Laufzeit.

Ist Selfpublishing denn besser als ein Verlag?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Wenn ihr einen Verlag findet, der sich vernünftig um euch und euer Buch kümmert, dann herzlichen Glückwunsch. Vielleicht habt ihr das Glück, dass ihr ein Manuskript einreicht, das sofort genommen wird, für das man sich interessiert und man vernünftig mit euch zusammenarbeitet. Es kann aber auch passieren, dass ihr jahrelang Klinken putzen geht und Absagen sammelt, obwohl eure Geschichte wirklich gut ist. Heutzutage kann man sowieso kaum noch bei Verlagen direkt einreichen, es geht meistens über Literaturagenturen und die brauchen Monate, um ein Manuskript zu prüfen. Und dann ist noch nicht gesagt, dass sie einen Verlag dafür finden.

Auf einer Messe kam ich mit der Leiterin eines guten, angesehenen Verlags ins Gespräch und fasste mir schließlich ein Herz, um sie zu fragen, ob ich ihr mein zu dem Zeitpunkt neuestes Manuskript Echo des Lebens zur Prüfung schicken dürfe. Sie reagierte zögerlich, meinte, ich solle das über meine Agentur erledigen, gab mir dann aber doch ihre Karte. Ich dachte, jetzt hätte ich endlich den Fuß in der Tür und verfasste ein richtig gutes Exposé. Von der Dame habe ich allerdings nie wieder etwas gehört. Agenturen und Verlage scheinen einfach nicht die Zeit zu haben, höflich zu sein. Absagen? Warum denn? Die Autor:innen merken es von selbst, wenn wir kein Interesse haben. Irgendwann. Wenn ihr euch also einen Verlag suchen wollt, braucht ihr normalerweise vor allem eins: Zeit. Viel Zeit. Abgesehen davon dauert es noch etwa ein Jahr, bis euer Buch dann schließlich erscheint.

Geht Selfpublishing denn schneller?

Oh ja. Im Prinzip erscheint euer Buch wenige Tage, nachdem ihr euer Manuskript hochgeladen habt. Wobei hier auch die Krux liegt. Denn bis zu diesem Zeitpunkt vergeht natürlich auch einiges an Zeit. Denn wie gesagt, müsst ihr euch selbst um Dinge wie Lektorat, Formatierung, Cover, Klappentext, Werbung usw. kümmern.

Was muss ich denn tun, um mein Buch selbst veröffentlichen zu können?

Euer Buch muss den Verlagsansprüchen genügen. Ich gehe mal davon aus, dass ihr schreiben könnt, genug Fantasie habt, um eine gute Handlung zu entwerfen und sympathische Personen zu erzeugen.

Ich denke auch, dass ihr einigermaßen sicher in Orthografie und Grammatik seid. Bei letzterem kann euch übrigens ein gutes Schreibprogramm wie beispielsweise Jutoh, Scrivener oder Papyrus Autor helfen, die auf die Bedürfnisse von Autoren zugeschnitten sind. Natürlich kann man ein Manuskript auch in Word verfassen, aber diese Programme nehmen einem sehr viel ab, was Formatierung und Fehlersuche betrifft. Sie sind nicht ganz billig, lohnen sich in meinen Augen aber, wenn man sich wirklich ernsthaft mit der Schriftstellerei befassen möchte.

Ihr habt jetzt also ein perfektes Manuskript. Wirklich perfekt? Seid ihr sicher, dass keine Fehler mehr drin sind? Vielleicht sollte doch noch jemand drüberschauen. Ein Lektorat ist durchaus sinnvoll, kann aber je nach Buchumfang mit Kosten im vierstelligen Bereich zu Buche schlagen. Die billigere Variante ist ein Korrektorat, das sich nur auf Fehlerkorrekturen beschränkt, während Lektor:innen ihren Senf zum Stil dazugeben und auch Logiklöcher in der Handlung aufdecken.

Ein weiterer Kostenpunkt ist das Cover. An dem solltet ihr nicht sparen und auf keinen Fall etwas Selbstgemachtes verwenden. Das Cover ist das Erste, das den Leser:innen von eurem Buch ins Auge fällt. Wenn das nichts taugt, werden sie sich nicht mal die Mühe machen, den Klappentext zu lesen, sondern gleich zum nächsten Buch wandern. Denn auch das ist ein Nebeneffekt des Selfpublishings. Die Konkurrenz ist riesig und wird täglich größer. Es gibt mittlerweile viele Dienstleister, die sich darauf spezialisiert haben, Selfpublisher:innen unter die Arme zu greifen.

Sucht euch ein Selfpublishing-Buch aus, dessen Cover euch umhaut und seht nach, wer es designt hat. Dazu müsst ihr das Buch nicht einmal kaufen, in der Amazon-Vorschau findet ihr in den meisten Fällen das Impressum, in dem der Coverdesigner aufgeführt ist. So habe ich auch meine Designerin gefunden und sie hat für meine Bücher wirklich tolle Cover gezaubert.

Es gibt noch andere Möglichkeiten, ein gutes Cover zu bekommen. Googeln macht hier wirklich schlau.

Sehr wichtig ist auch der Klappentext. Ich brauche bestimmt niemandem zu sagen, dass die Beschreibung zünden muss, um die Leser:innen zum Kauf zu bewegen.

Wenn diese Punkte abgearbeitet sind, könnt ihr euch Buch hochladen.

Mein Buch hochladen? Aber wo? Und wie?

Dazu gibt es mehrere Anlaufstellen. Komplettpakete oder auch Taschenbuch und eBook getrennt. Oder sogar getrennte Dienstleister für Kindle und Tolino. Jens Wittern von Indie-Autoren Bücher untersucht die wichtigsten Anbieter in seinem Blog-Beitrag Selfpublishing-Distributoren – Ein Vergleich von 10 verschiedenen Anbietern und streicht deutlich die Vorteile jedes einzelnen heraus. Für mich selbst hat sich eine Kombination aus Amazon KDP und Tolino-Media für das eBook und BoD – Books on Demand für das Taschenbuch bewährt. Im Endeffekt muss aber jeder selbst schauen, welches Angebot ihm am besten taugt.

Das Wie ist dann nicht so schwierig. Für die Buchdatei muss das Manuskript im richtigen Format vorliegen. Dafür gibt es, zumindest bei den Anbietern, die ich bisher genutzt habe, Vorlagen, mit denen man seinen Text relativ einfach in die richtige Form bekommt. Aus seinem Text ein eBook zu generieren ist heutzutage auch nicht mehr schwer. Die oben genannten Schreibprogramme nehmen euch diese Arbeit unter Umständen sogar ab. Hier kann ich nur für das Programm sprechen, das ich selbst nutze und da geht es mit einem einzigen Klick.

Wird meine Einsendung überprüft?

Ja, aber zumeist nur auf formale Kriterien. Beim großen A kann man beispielsweise jeden Schrott hochladen. Das fällt zuerst nicht auf. Ihr könnt jeden Käse veröffentlichen, der vor Fehlern nur so strotzt. Aber bitte tut es nicht. Zum einen hagelt es dann schlechte Rezensionen. Wer will schon ständig lesen, wie mies das eigene Werk ist. Und irgendwann verkauft ihr es nicht mehr. Das kann ja auch nicht euer Wunsch sein.

Aber ihr habt als Selfpublisher:in auch eine Verantwortung. Mit einem schlechten Buch schadet ihr nicht nur euch selbst, sondern auch allen anderen Selfpublisher:innen, denn mit der gedankenlosen Veröffentlichung einer faden Geschichte voller Rechtschreib- und Grammatikfehler bedient ihr genau das angesprochene Vorurteil. »Was kann man von selbstveröffentlichtem Kram schon erwarten«, kann man dann in den Rezensionen lesen und als Fazit: »Nie wieder ein Buch von einem Selfpublisher.« Tut euch und euren Kolleg:innen das nicht an, investiert Zeit und Arbeit, eventuell muss man auch etwas Geld in die Hand nehmen, aber ein gutes und gut gemachtes Buch zahlt sich normalerweise aus.

Also was mache ich denn jetzt? Verlag oder Selfpublishing?

Womit wir bei der Ausgangsfrage wären. Ein Verlag hat viele Vorteile. Er nimmt euch das Drumherum ab, es kümmern sich Leute darum, die auf ihrem jeweiligen Gebiet Expert:innen sind. Aber es braucht viel Zeit. Und dann ist nicht garantiert, dass euer Verlag das Buch ausreichend bewirbt, um es zu einem Erfolg zu machen. Ihr habt allerdings den Anspruch, Verlagsautor:in zu sein.

Beim Selfpublishing sind die Margen deutlich höher, heißt, an einem verkauften Buch verdient ihr spürbar mehr als bei einem Verlag. Andererseits müsst ihr natürlich auch die Kosten für Lektorat, Cover und Werbung tragen. Die Veröffentlichung selbst ist allerdings relativ günstig, in vielen Fällen sogar kostenlos.

Versucht es mit einem Verlag. Vielleicht klappt es ja. Auch ein George Lucas ging Klinken putzen mit einer Geschichte, die später als Star Wars bekannt wurde. Aber tut es in dem Wissen, dass ihr andere Optionen habt und es auch allein schaffen könnt, wenn die Verlage euer Genie nicht erkennen.


Anmerkung:

Dieser Erfahrungsbericht ist genau das: ein Bericht meiner ganz persönlichen Erfahrung, wie ich die Arbeit mit einem Verlag und als Selfpublisherin erfahren habe. Er ist keine wissenschaftliche Abhandlung und das Für und Wider entspricht meiner ganz eigenen Betrachtungsweise. Diese ist rein subjektiv und auch eine Vollständigkeit kann ich deshalb nicht garantieren.


Gabriele Popma

Zur Autorin

Gabriele Popma ist Jahrgang 1963 und als wissenschaftliche Bibliothekarin ein alter Hase im Büchergeschäft. 1996 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „Umwege zum Glück“ und danach noch einige Kurzgeschichten. Nach einer längeren Schreibpause veröffentlicht sie ihre Bücher nun als Selfpublisherin, unter anderem auch eine Neufassung von „Umwege zum Glück“. Mit ihrem niederländischen Mann lebt sie im südlichen Bayern. Mehr von und zu Gabriele Popma findest du auf ihrer Website oder ihrer Autorenseite hier bei Indie-Autoren Bücher.


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